be whatever I

music. berlin?

swallowing those pills is not an appropriate reply

Me And My Drummer – der Bandname klingt erstmal sehr nach Hierarchie. Zuerst hatte ich Mitleid mit dem Schlagzeuger und fragte mich, wer sich da so frech vor ihn stellt. Wenn man sich ein wenig mit der Musik der Band beschäftigt, gilt die Aufmerksamkeit keinesfalls mehr der Überschrift. Da findet man ihn plötzlich passend, besteht die Band doch allein aus Charlotte und Matze. Reduktion galore. Charlotte am Piano und Gesang, Matze am Schlagzeug. Und eigentlich rückt der Bandname den Schlagzeuger dann doch in den Mittelpunkt, oder? Zuweilen wirkt ihre verträumte Popmusik (das nennt man ja Dreampop) etwas dramatisch. Das rührt wohl daher, dass die beiden sich als Theatermusiker begegneten. Mittlerweile sind sie von Tübingen nach Berlin übergesiedelt. Und veröffentlichen bei sinnbus.

Noch dramatischer wurde es vor kurzem im Potsdamer Waschhaus nach dem Auftritt von Me And My Drummer. Der Norweger Einar Stray und seine Band bestritten einen Gänsehaut-Gig mit vielen leisen Momenten. Das war nichts fürs Potsdamer Partypublikum. Dass der Raum immer leerer wurde, fiel uns gar nicht auf, waren wir so gebannt vom Vorgehen auf der Bühne. Folkmusik ohne Akustikgitarre sondern mit Klavier, Cello, Violine, Gesang, Schlagzeug und doch einer elektrischen Gitarre. Das klingt manchmal extrem nach klassischer Musik und irgendwie total unmodern, funktioniert aber wunderbar. Nur nicht in Potsdam, nunja. Berlin für solch ein Konzert zu verlassen, hat sich mehr als gelohnt.

[crappy photograph: Finale oho. Einars "Arrows" inklusive Me And My Drummer und dem Typen vom Merch-Stand]

Oh hello new home

In Berlin Umziehen ist ein wenig als zöge man in eine neue Stadt. Man zieht nur in einen anderen StadtTEIL, aber dennoch ist alles vollkommen anders. Der Supermarkt, die Post, der Dönerladen, der Copyshop – alles vom vorherigen Wohnort wird man nicht wieder aufsuchen. Da müsste man extra dort hinfahren, mal zufällig vorbei kommt man da sicher nicht. In Leipzig bin ich zwei Mal umgezogen und mein Bild von der Stadt hat sich kaum verändert. In Berlin ist jeder Stadtteil wie sein eigener Mikrokosmos, aus dem man nur fürs Arbeiten und die Uni ausbricht. Oder wenn man Freunde in anderen Stadtteilen besucht. Oder man feiern geht. Zum Feiern muss ich jetzt gar nicht aus meinem Kosmos ausbrechen.

Ich wohne jetzt in Neukölln. Wenn ich das am Kaffeetisch daheim erzähle, löse ich damit Angst, Schrecken und Besorgnisstürme bei meinen Großeltern aus. Für sie als ewig am Berliner Stadtrand Lebende besteht für das städtische Innenleben immer noch die Ordnung von vor zehn oder gar mehr Jahren: Osten böse, Westen gut, um es mal vollkommen herunterzubrechen. Für sie gibt es im Prenzlauer Berg, Kreuzberg und Friedrichshain nur besetzte Häuser, brennende Autos (das war vor einigen Monaten sogar aktuell), Dealer, Drogenabhängige, Punks, Kriminelle aller Art, der ganze menschliche Abschaum quasi. Oder wie mein Opa sagen würde: Verrückte, Pack, Gesindel und so was. In Neukölln dagegen wohnten nur “Kanaken” und damit der eben erwähnte menschliche Abschaum auf ausländisch.

Nun, ganz so ist es nicht mehr, aber erkläre den Großeltern mal “Gentrifizierung”. Neukölln ist im Zuge dessen gerade das neue Prenzlberg. Denn dort leben angeblich nur noch die verhassten Schwaben, also jene, die einst in den coolen Stadtteil zogen und ihn kaputt machten. Clubs schließen dort, hier machen welche auf. So verlagert sich eben alles. Mal sehen wie es in zehn Jahren vor meiner Neuköllner Haustür aussieht. Demnächst will ich meine Großeltern zu uns zum Kaffeetrinken herbeten. Ich denke, sie werden die Einladung entweder dankend ablehnen oder mit großer Angst und die Wertsachen zu Hause lassend, auf ein halbes Stündchen vorbei kommen.

Google Bildersuche nach Neukölln ergibt übrigens ähnliche Ansichten wie die meiner Großeltern als Top-Einträge:

Leg deinen Arm um mich und ich küss dich

Chuckamuck spielen in den Sophiensaelen. Huch, klingt komisch. Die Sophiensaele in Mitte sind eher für freies Theather, Tanz, Performance-Kunst und arty Hipstertum bekannt. An diesem Freitag soll nun diese Berliner Chaostruppe hier auftreten. Im Rahmen einer Veranstaltung des online (Achtung Tautologie jetzt) TV-Netzwerks Network Awesome. Erst gibt’s im Festsaal eine Videoinstallation auf großer Leinwand. Die wenigen Besucher sitzen gesittet auf der Tribüne, auf der eigentlich 200 Leute Platz hätten. Unter der Leinwand steht schon das Equipment der Band. Zu ebener Erde, nichts mit Bühne. Drumherum viel Platz und Freifläche.

Dann stolpern die vier Jungs von Chuckamuck auf die “Bühne” und können sich selbst ein Grinsen nicht verkneifen. Merkwürdige Situation? Oh ja. Chuckamuck ist übrigens eine junge Band aus Berlin, die letztes Jahr via Staatsakt ihr Debütalbum “Wild for Adventure” veröffentlichte. Musikalisch liegen sie irgendwo zwischen den Black Lips und Libertines auf deutsch und auf Pop. Bzw. selbst nennen sie es “Kindercountry”. Das haut auch hin so. Hier ist nichts glattgebügelt, alles schön roh, krachig und mit leicht krächzender Stimme von Sänger Oskar. Sie singen über den besten Schokoriegel der Welt (Mars Mandel, ganz klar), Mädchen und Autofahren. Das erste Mal sah ich sie im Ilses Erika in Leipzig, wo sie eher hinpassten als hier in die Mitte eines 500 qm Saals. Dann noch mal auf dem Dockville Festival im Spinnacker, der vor Energie protzte und am Ende alle Bandmitglieder im Publikum landen ließ.

Immerhin ließ sich der Großteil des Publikums zum Aufstehen hinreißen. Ein wenig abgelenkt von der Gruppe pubertierenden Mädels, die für ihr ausdrucksstarkes Gehampel den vielen Platz zu nutzen wussten, lassen wir uns mal überraschen was das hier werden soll. Allein durch die anwesenden gerade mal 80 Menschen und die Schrägheit dieser Situation, war der Auftritt zum Scheitern verurteilt. Chuckamuck allerdings schrammeln ihre Songs höchst sympathisch dahin. Meine Begleiterinnen, die die Band nicht kannten, sind halb belustigt, halb verdutzt. Wenn man die Songs nicht kennt, versteht man eh nicht was Oskar da kräht. “Also er singt da: Leg deinen Arm um mich und ich küss dich und nänänä… Wir faaaaahrn hin und her und zurück zum Meer.” – “Achso, haha.” Ja, haha: Diese Kids da drüben bringen uns teilweise zum fremdschämen, wir können da nicht weggucken. Waren wir früher auch so peinlich? Sind das die Mitschülerinnen der Musiker? Die Groupies etwa? Raucht die da – darf die schon rauchen? Hups, zurück zur Band. Der letzte Song sei ein neuer. Da kann man auch mal nach zehn Sekunden wieder abbrechen und neu anfangen. Chuckamuck dürfen das. Alles im allem wie immer ein Spaß zum Mitwippen und wenn man mag auch exzessiven Tanzens – wenn man mit kommt. Die Jungs spielen ja sogar das beschauliche “Souvenirs” fünfmal schneller. Dennoch: Chuckamuck, bitte werdet nie glatter oder weniger betrunken-chaotisch!

[crappy photograph: da hinten steigt der Kindergeburtstag]

Mädchen aus Prag und Mädchen aus New York

Mädchen aus dem Land und Mädchen vom Dorf

Mädchen aus Malmö und aus Neuruppin

Wir sind Chuckamuck und wir kommen aus Berlin!

Paper House

Bands oder Künstler aus Irland fallen einem nicht so schnell ein, wenn man danach gefragt wird. Außer U2 und Two Door Cinema Club (die zwar aus Nord-Irland kommen, aber trotzdem als Iren durchgehen) hat es noch kein Künstler so recht ins musikalische Bewusstsein des europäischen Festlands geschafft. Daher war ich sehr überrascht, dass die wunderbare Lisa Hannigan aus Dublin gestern so viele Menschen in den Schokoladen nach Mitte zog, sodass sie zwei Mal spielen musste. Wir waren natürlich zu spät und mussten eine Stunde später wiederkommen. Das hat sich gelohnt, auch wenn sie nur eine halbe Stunde allein mit ihrer Gitarre auftrat.

[crappy photograph: die Musikerin hatte durchaus Mund, Nase und Augen]

Ich tue mich mit Singer/Songwritern normalerweise sehr schwer. Das klingt doch alles sehr ähnlich und reißt mich selten mit. Lisa Hannigan hat früher mit ihrem etwas bekannteren Partner Damien Rice Musik gemacht. Dann haben sie sich getrennt, nun ist sie Solokünstlerin. Am 24. Februar erscheint in Deutschland ihr zweites Album “Passenger”. Bemerkenswert sind vor allem Lisas tolle Videos. In “Knots” lässt sie sich von der Crew mit Farbe bewerfen, im Video zu “Lille” blättert sie durch große Aufklappbücher, in denen eine Geschichte mit pop up Bildern erzählt wird.

I’m a pilot

Worauf ich mich musikalisch momentan am meisten freue ist das Album zu diesem Song:

Fanfarlo veröffentlichen am 24. Februar ihre zweite Platte “Rooms Filled With Light” via Warner. Die fünfköpfige Indie-Folk-Band (inklusive dem Schweden Simon Balthazar als Frontmann) kommt aus London und macht wunderbar beschwingte Popmusik, die aber keineswegs billige Melodien aufweist, sondern trotz des Schwungs viel Kopf hat. (Macht das Sinn?) Kopf steckt vor allem in der Instrumentierung mit dem üblichen an Gitarren und Drums plus Trompete, Violine, Mandoline und Klarinette. Beim ersten Hören erinnerten sie mich ein wenig an The Leisure Society.

2009 verkauften sie ihr erstes Album “Reservoir” für einen US-Dollar als Download, diesmal gibt es solch eine Aktion nicht. Ganz sicher wird “Rooms Filled With Light” sein Geld dennoch wert sein. Dann können die Herren und Dame auch live bestaunt werden. Tourdaten für Deutschland sollen bald bekannt gegeben werden. Bis Ende April sind sie erstmal nur in UK und USA zu sehen. Ich bin höchst gespannt und aufgeregt, kann es gar nicht erwarten. “Reservoir” habe ich mir schon fast überhört und strenges Nicht-Anhören angeordnet. Neues Material muss also her. Die Single “Deconstruction” lässt vermuten, dass man zum neuen Album besser tanzen kann als zum Debüt. Wuhu, spannend!

Btw das neueste Video zu “Shiny Things” beinhaltet eine nette Metapher, auch wenn der Song nicht sehr stark ist.

In einer How I Met Your Mother Folge erklären die New Yorker Robin, was sie getan haben muss, um “a real New Yorker” zu sein. Jemandem das Taxi vor der Nase wegschnappen, in der Subway allein heulen usw. Ich habe letztens überlegt was “real Berliners” sagen würde, welche Aktionen man in ihrer Stadt gebracht haben muss. Dann habe ich den Gedanken verworfen, denn echte Berliner, also jene, die hier geboren und aufgewachsen sind, würden Leuten von außerhalb niemals den “real Berliner”-Status zuschreiben. Da kann man so viel in der U-Bahn heulen, wie man will. Wir sind eben nur Wahl-Berliner, Zugezogene, Touristen.

Allerdings gehörte für mich eine Sache eindeutig dazu. Letztes Wochenende war ich im Berghain. Oaaah! Krass, was? Berghain, uuuuuh! 2008 vom britischen DJ Mag zum besten Club der Welt ernannt, bekannt für sexuell auschweifende und freizügige Parties, the place to be. Wenn man reinkommt! Ich also mit ausschließlich Menschen, die noch nie dort waren, in der sogenannten Panne-Bar (Panorama Bar, genaugenommen war ich also nur dort, der Hauptraum hat Samstag Nacht bis Montag morgen geöffnet, aber das Erlebnis ist sicher ähnlich).

Nach noch humaner Anstehzeit, kamen wir tatsächlich rein. Was aber nicht besonders schwer ist solange man kein Tourist und kein maßlos betrunkener (und dies auch lautstark ausdrückender) Mensch ist sowie man nicht in einer großen Gruppe, schon gar nicht nur aus Männern bestehend, aufläuft. Wir vermuten riesen “Prolls” und “Tussis” haben auch schlechte Karten. Wir sind hier schließlich nicht in Irland – nicht zu viel Haut, bitte!

Taschenkontrolle. Und BLOSS KEINE FOTOS! Keine Fotos, klar? Jaja. Wir werden wie am Flughafen abgetastet. Und KEINE FOTOS! Jaahaaa. Was ist das? Ein iPod. Aber keine Fotos damit machen!

Ist halt wegen persönlicher Freiheit und Entfaltung und so. Diese Entfaltung wird u.a. auf den Unisex-Toiletten ausgelebt, urgh. Was da neben dir an Sex und Koksen abgeht, naaa nicht drüber nachdenken. In was wir auf diesem Boden stehen, naaaa… lieber nicht fragen. Und sonst ist das Berghain eben ein Club mit großer, fetter Anlage. Da ich über die Qualität des ElectroMinimalHouseOderSowas leider wenig Aussage treffen kann, schätze ich einfach mal, dass es gut war. Halloooo, Berghain halt! Irgendwann werden die Rolläden zugemacht, damit dich der Sonnenaufgang nicht zum Heimgehen überredet.

Um 7 haben wir es dennoch nicht mehr ausgehalten und liefen mit einem Blick zurück auf das scheinbar vibrierende ehemalige Heizkraftwerk zum Ostbahnhof. “Süß,” hat ein Freund unsere Heimgehzeit genannt. Pff, egal! Der Mythos ist einigermaßen aufgeklärt und ein Haken mehr auf der Berlin To Do-List.

written composition, stand succession, especially among themselves at a certain point listed persons or property

Am Ende des Jahres präsentieren immer alle stolz ihre Listen der Superlativen des bald vergangenen Jahres. Manchmal wundere ich mich durchaus, was alles an mir vorbeigegangen ist. Um hier mal dem Mainstream etwas zu frönen, präsentiere ich also auch meine Liste. Ich hab nur eine, denn die musste ich erstellen und für alles andere (beste Konzerte, beste Songs, gar beste Albencover) fehlt mir das nötige Erinnerungsvermögen. Hallo, 365 Tage! Ich kann mich nicht erinnern. Diese eine jedoch habe ich zustande gebracht. Hier also meine Top 10 Alben des Jahres 2011:

1. The Head And The Heart – dto.

2. Ja, Panik – DMD KIU LIDT

3. Crystal Fighters – Star Of Love

4. WU LYF – Go Tell Fire To The Mountain

5. Flashguns – Passions Of A Different Kind

6. Anna Calvi – dto.

7. Wild Beasts – Smoother

8. Sir Simon Battle – Goodnight, Dear Mind…

9. The Drums – Portamento

10. The Kills – Blood Pressures

“The Head And The Heart” (VÖ 22/4/11) hat sich so sehr in meinem Ohr festgesetzt, dass es auf die Eins musste. Das Album kann ich heute immer noch anhören und ich möchte mitsingen und tanzen. Meine neu gefundene Liebe für Folk findet seinen Höhepunkt in dieser Platte. Ganz groß. Ganz ganz groß.

Ja, Panik hielt ich immer für eine Möchtegern-Tocotronic-Band. Ein typischer Fall von Ignoranz: Hab ich mir nie wirklich angehört, weil ich dachte Musik aus Deutschland mag ich sowieso nicht. Dann kam das Jenseits von Millionen Festival, am Samstag spielten Ja, Panik und die Eindrücke lassen sich ungefähr so zusammenfassen: „Oh das ist von denen! – Wow, die sind ja voll gut, oder? – Ja, voll gut, hätte ich ja nicht gedacht. – Ach das ist auch von denen!“ Dann stellte ich mit Entsetzen fest, dass diese Band aus Wien, mittlerweile Wahl-Berliner, schon vier Alben veröffentlicht hat, die alle völlig an mir vorbei zogen. Ich rede mich damit heraus, dass ich damals noch nicht bereit war für Ja, Panik. Ihr aktuellstes Album „DMD KIU LIDT“ (Die Manifestation des Kapitalismus in unserem Leben ist die Traurigkeit; VÖ (15/04/11) ist außerdem mein End-Leipzig-Soundtrack. Das Album habe ich in den letzten Septemberwochen vor meinem Umzug von Leipzig nach Berlin ununterbrochen gehört und sah die Herren in dieser Zeit live im Conne Island. Großartige Live-Band. Vielleicht musste ich Ja, Panik auch erst auf einer Bühne sehen, um mich zu überzeugen.

Crystal Fighters kam glücklicherweise in Deutschland erst im Januar heraus (VÖ 21/01/11). Deswegen haben sie auch die Berechtigung in dieser Liste zu sein, auch wenn das Album im UK schon lange vorher veröffentlicht wurde. Dazu brauche ich nicht viel sagen. Eine absolute Offenbarung, die Songs machen so viel Tanzlaune. Und wieder ein Fall von Ignoranz, ein Bandname der mir schon lange bekannt war, aber dazu einmal reinzuhören, hatte ich keine Lust. Dann kam die Leipziger POP UP) und brachte Crystal Fighters, wow!

Abschließend kurz zu Platz fünf. Flashguns, eine junge Band aus London gibt es mittlerweile schon nicht mehr. Sam, Giles und Olly habe ich mit Kollegin S. 2010 schon interviewt. Ein Jahr später haben die drei Jungs eine großartige Indie-Rock-Platte aufgenommen, in Zeiten wo der Indie-Rock fast tot geglaubt wird. Es scheint als hörten alle nur noch ganz elektronische oder ganz folkige Musik. Flashguns passen dennoch nach 2011 und sicher auch noch nach 2020. Schade, dass ich 2020 dann nur „Passions Of A Different Kind“ im Plattenschrank habe.

I wish I was somewhere better

Berlin. Finden alle total toll und super. Hier ist ja so viel los. Berlin ist viel cooler als New York, London, Paris, L.A., … ach: Berlin ist die beste Stadt der Welt. Früher, als ich im Berliner Umland aufwuchs, habe ich das auch gedacht. Seit ich hier wohne, hat sich mein Eindruck stark verändert.

Berlin, du bist groß. Bist anonym. Unfreundlich. Berlin, du überforderst mich manchmal. In Berlin gibt es mich sicher schon mal. Hier gibt’s doch schließlich alles.

Als sich eine Freundin im vergangenen Sommer dazu entschied nach Berlin zu gehen um dort ihren Master zu machen, meinte sie: „Man, Berlin! Da könnten wir immer zu allen Bands gehen! Nach Berlin kommen alle, da verpassen wir nichts mehr.“ Klar, musikalisch hat Berlin viel zu bieten. In dem Punkt gibt es in Deutschland wohl kaum eine bessere Stadt. Und das ist wichtig, also eigentlich ganz cool, dieses Berlin?

Jetzt bin ich wie sie auch in dieser Stadt, obwohl ich hier doch gar nicht hin wollte. Noch nicht zumindest. Und alle so: „Jaaa, Berlin ist auch viel cooler.“

So richtig stellt sich meine Euphorie nicht ein. Und damit bin ich nicht allein. Wieso freuen wir uns denn nicht über unsere neue, große, alles bietende Heimat, Party-Mekka, hier gibt’s alles, ist alles möglich, warum woanders hin? Was ist passiert?

Warum ich Berlin nicht mag und warum ich Berlin voll gut finde, dem versuche ich hier auf den Grund zu gehen und den Soundtrack dazu in Worte zu fassen.

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